Das Wesentliche im Überblick: Beim Lollipopping werden schwache und schlecht beleuchtete Triebe im unteren Bereich der Cannabispflanze entfernt. Dadurch kann die Pflanze ihre Ressourcen effizienter nutzen, während sich die Luftzirkulation und die Lichtverteilung innerhalb des Blätterdachs verbessern. Die Technik wird idealerweise während der späten Wachstumsphase oder zu Beginn der Blüte angewendet, um die Qualität der späteren CBD blüten zu maximieren. Entscheidend sind ein maßvolles Vorgehen, saubere Werkzeuge und ausreichend Zeit für die Erholung der Pflanze.
Hinweis: Informieren Sie sich vor dem Anbau über die geltenden gesetzlichen Vorschriften in Ihrem Land. Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information.
Was ist Lollipopping beim Cannabis?
Lollipopping ist eine bekannte Methode zur Strukturierung einer Cannabispflanze. Dabei werden schwache Seitentriebe und schlecht beleuchtete Blütenansätze im unteren Bereich entfernt. Nach dem Eingriff bleibt im unteren Teil ein weitgehend freier Stamm zurück, während sich die produktiven Triebe im oberen Bereich konzentrieren.
Die Form erinnert optisch an einen Lolli: unten ein freier Stiel, oben eine dichter bewachsene Krone. Daher stammt die Bezeichnung „Lollipopping“.
Im unteren Bereich einer dicht gewachsenen Pflanze gelangt häufig nur wenig Licht an die kleinen Seitentriebe. Dort entstehen oftmals sogenannte Popcorn-Buds: kleine, locker entwickelte Blüten, die zwar Ressourcen benötigen, aber nur einen begrenzten Beitrag zur Qualität der Ernte leisten.
Durch das gezielte Entfernen dieser Schattenzonen kann die Pflanze ihre Energie stärker auf die gut beleuchteten oberen Bereiche konzentrieren. Ob sich der Ertrag tatsächlich erhöht, hängt jedoch auch von der Genetik, der Beleuchtung, der Luftzirkulation und der allgemeinen Gesundheit der Pflanze ab.
Welche Vorteile bietet Lollipopping?
Lollipopping kann vor allem bei dicht gewachsenen Pflanzen sinnvoll sein. Die Methode verbessert nicht nur die Lichtverteilung, sondern kann auch die Belüftung des unteren Pflanzenbereichs erleichtern.
Weniger Popcorn-Buds
Kleine Blütenansätze im Schatten entwickeln sich häufig deutlich schwächer als die oberen Colas. Das physiologische Prinzip dahinter ist die sogenannte Apikaldominanz: Das Phytohormon Auxin wird im oberen Scheitelmeristem gebildet und fließt von dort basipetal durch das Gefäßgewebe nach unten. Eine hohe Auxinkonzentration im Sprossstamm unterdrückt dabei die Expression knospenfördernder Gene und hemmt so den Austrieb ruhender Seitenknospen. Wie das Lexikon der Pflanzenphysiologie von Pflanzenforschung.de erklärt, wirken dabei zusätzlich Strigolactone als negative Regulatoren, während Zytokinine den Knospenbruch begünstigen.
Durch die Entfernung unproduktiver Triebe kann sich die Pflanze stärker auf die gut beleuchteten Bereiche konzentrieren.
Bessere Luftzirkulation und Schimmelprävention
Ein freier unterer Bereich erleichtert die Luftbewegung innerhalb des Pflanzenbestands. Das ist besonders relevant, da der Pilz Botrytis cinerea (Grauschimmel) bei einer relativen Luftfeuchtigkeit über 70 % und stehender Luft optimale Keimbedingungen findet. Laut dem medizinisch-wissenschaftlichen Nachschlagewerk DocCheck Flexikon gilt die Kontrolle der Pflanzenarchitektur als eine der effektivsten Präventionsmaßnahmen gegen solche Infektionen. Eine offene Struktur am Stammfuß senkt die Feuchtigkeit im Blätterdach direkt und reduziert das Schimmelrisiko.
Übersichtlichere Pflanzenstruktur
Eine klarere Struktur erleichtert die regelmäßige Kontrolle der Pflanze. Schwache Triebe, beschädigte Blätter oder andere Auffälligkeiten lassen sich schneller erkennen.
Effizientere Lichtverteilung
Je dichter das Blätterdach ist, desto schwieriger erreicht das Licht die unteren Ebenen. Lollipopping kann dazu beitragen, die vorhandene Beleuchtung gezielter auf die produktiven Bereiche der Krone auszurichten.
Produktive und unproduktive Triebe unterscheiden
Die wichtigste Voraussetzung für ein sinnvolles Lollipopping ist die richtige Auswahl der Triebe. Nicht jeder untere Zweig muss automatisch entfernt werden.
Als weniger produktiv gelten vor allem dünne Seitentriebe, die dauerhaft im Schatten liegen und voraussichtlich keine kräftigen Blüten entwickeln. Gesunde Blätter im gut beleuchteten Bereich sollten dagegen nicht unnötig entfernt werden, da sie weiterhin eine wichtige Rolle bei der Photosynthese spielen.
Das Ziel besteht nicht darin, die Pflanze möglichst stark zu beschneiden. Vielmehr sollen nur die Bereiche entfernt werden, die dauerhaft wenig Licht erhalten und die Entwicklung der oberen Blütenstände kaum unterstützen.
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Grundprinzipien für ein kontrolliertes Vorgehen
Lollipopping sollte schrittweise und mit Bedacht durchgeführt werden. Ein zu radikaler Eingriff kann die Pflanze unnötig belasten.
Saubere Werkzeuge verwenden
Verwenden Sie eine scharfe und saubere Präzisionsschere. Stumpfe Werkzeuge können Pflanzengewebe quetschen und die Erholung verzögern. Reinigen Sie die Klingen vor dem Einsatz gründlich mit Isopropylalkohol. Jede offene Wunde ist eine potenzielle Eintrittspforte für Pilzsporen — saubere Schnitte schließen sich deutlich schneller.
Schattenzonen beurteilen
Betrachten Sie die Pflanze von unten und prüfen Sie, welche Bereiche dauerhaft kaum Licht erhalten. Dünne Seitentriebe mit geringer Entwicklung können schrittweise entfernt werden.
Gesunde Bereiche erhalten
Gut beleuchtete Triebe und gesunde Blätter sollten nicht ohne Grund entfernt werden. Die Pflanze benötigt ausreichend Blattmasse für die Photosynthese und für eine stabile Entwicklung.
Reaktion der Pflanze beobachten
Nach dem Eingriff sollte die Pflanze einige Zeit beobachtet werden. Bei sichtbaren Stresssymptomen empfiehlt es sich, auf weitere Maßnahmen zunächst zu verzichten.
| Schritt | Maßnahme | Ziel |
|---|---|---|
| 1. Kontrolle | Schlecht beleuchtete untere Triebe identifizieren | Unproduktive Schattenzonen erkennen |
| 2. Auswahl | Nur dünne und schwache Seitentriebe berücksichtigen | Übermäßigen Stress vermeiden |
| 3. Beobachtung | Pflanzenzustand nach der Maßnahme kontrollieren | Regeneration sicherstellen |
Wann ist der beste Zeitpunkt für Lollipopping?
Der Zeitpunkt spielt eine wichtige Rolle. Eine gesunde Pflanze kann sich während der Wachstumsphase leichter von einem Eingriff erholen als während der fortgeschrittenen Blüte.
Späte vegetative Phase
Viele Grower strukturieren ihre Pflanzen gegen Ende der Wachstumsphase. Die Pflanze erhält dadurch Zeit, sich an ihre neue Form anzupassen, bevor die intensive Blütenbildung beginnt. Ein grundlegendes Verständnis des Lichtzyklus beim Cannabisanbau hilft dabei, die einzelnen Entwicklungsphasen besser einzuordnen und den richtigen Eingriffszeitpunkt zu wählen.
Beginn der Blütephase
Eine leichte Nachkontrolle kann auch während des frühen Übergangs zur Blüte sinnvoll sein. In dieser Phase wächst die Pflanze häufig deutlich in die Höhe (Stretch), wodurch neue Schattenzonen entstehen können. Neue Triebe im oberen Bereich erhalten mehr Licht, während untere Zweige zunehmend bedeutungslos werden.
Je weiter die Blüte fortgeschritten ist, desto vorsichtiger sollte vorgegangen werden. Späte und umfangreiche Eingriffe belasten die Pflanze unnötig.
Fortgeschrittene Blütephase
Während der fortgeschrittenen Blüte sollte die Pflanze möglichst wenig zusätzlichem Stress ausgesetzt werden. Intensiver Schnittdruck in der Hochblüte kann hormonelle Instabilität auslösen und das Risiko für Hermaphroditismus erhöhen. In dieser Phase benötigt die Pflanze ihre Ressourcen ausschließlich für die Entwicklung der Blütenstände.
Kombination mit SCROG, LST und Topping
Lollipopping wird häufig mit anderen Trainingsmethoden kombiniert. Die einzelnen Maßnahmen verfolgen ähnliche Ziele: eine übersichtliche Struktur, eine gleichmäßigere Lichtverteilung und eine bessere Belüftung.
SCROG
Bei der Screen-of-Green-Methode wird die Krone mithilfe eines Netzes gleichmäßig verteilt. Triebe unterhalb des Netzes erhalten häufig nur wenig Licht. Lollipopping kann dabei helfen, den unteren Bereich übersichtlich und gut belüftet zu halten.
Low Stress Training
Low Stress Training (LST) dient dazu, die oberen Triebe möglichst gleichmäßig auszurichten. Laut pflanzenphysiologischen Grundlagen reduziert die mechanische Biegung des Haupttriebs die Auxinkonzentration im apikalen Bereich, was das Wachstum lateraler Knospen stimuliert. Während LST die Krone formt, reduziert Lollipopping die unproduktiven Schattenzonen darunter — eine sinnvolle Ergänzung.
Topping
Beim Topping wird die Struktur der Pflanze gezielt beeinflusst, damit sich mehrere dominante Seitentriebe entwickeln können. Die Kombination mit Lollipopping kann eine gleichmäßigere Krone unterstützen. Mehrere belastende Maßnahmen sollten jedoch nicht gleichzeitig bei einer geschwächten Pflanze vorgenommen werden.
Lollipopping bei Autoflowers und photoperiodischen Pflanzen
Photoperiodische Pflanzen
Photoperiodische Pflanzen verfügen in der Regel über eine längere Wachstumsphase als Autoflowers. Dadurch bleibt mehr Zeit für die Regeneration nach einem Eingriff. Bei gesunden Pflanzen kann die Struktur deshalb schrittweise angepasst werden.
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Autoflowers
Bei Autoflowers ist besondere Vorsicht geboten. Ihr Lebenszyklus ist kürzer und lässt weniger Zeit für die Regeneration. Ein zu starker Eingriff kann die Entwicklung bremsen.
Bei gesunden Autoflowers sollten daher höchstens wenige eindeutig unproduktive Triebe entfernt werden. Anfänger können zunächst auf schonendere Methoden wie LST setzen, da diese die Auxinverteilung mechanisch beeinflussen, ohne offene Wunden zu erzeugen.
Welchen Einfluss hat die Lichtintensität?
Die Notwendigkeit des Lollipoppings hängt auch von der Beleuchtung ab. Selbst leistungsstarke LEDs erreichen nicht jede dicht bewachsene Schattenzone. Eine ausgewogene Pflanzenstruktur sorgt dafür, dass Licht und Luft möglichst effizient durch das Blätterdach gelangen.
Die Lichtverteilung spielt ebenfalls eine Rolle bei der Entwicklung der Trichome. Diese feinen Harzdrüsen prägen unter anderem das Erscheinungsbild und das Aroma der Blüten — und ihre Reife ist der wichtigste Indikator für den richtigen Erntezeitpunkt.
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Häufige Fehler beim Lollipopping
Zu viele Triebe auf einmal entfernen
Ein radikaler Eingriff kann die Pflanze unnötig schwächen. Beginnen Sie mit den eindeutig unproduktiven unteren Bereichen und beobachten Sie anschließend die Reaktion der Pflanze.
Zu spät eingreifen
Stärkere Maßnahmen während der fortgeschrittenen Blüte erschweren die Regeneration. Die wichtigsten Anpassungen sollten möglichst während der Wachstumsphase oder zu Beginn der Blüte erfolgen.
Gesunde Blätter ohne Grund entfernen
Lollipopping ist nicht mit einer vollständigen Entlaubung gleichzusetzen. Gesunde Blätter leisten weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Photosynthese und sollten nicht pauschal entfernt werden.
Unsaubere Werkzeuge verwenden
Verschmutzte oder stumpfe Scheren können Pflanzengewebe beschädigen und Krankheitserreger einschleppen. Eine gründliche Reinigung mit Isopropylalkohol vor jedem Einsatz gehört zu den wichtigsten Grundlagen.
Jede Pflanze gleich behandeln
Genetik, Wachstumsform und Gesundheitszustand unterscheiden sich von Pflanze zu Pflanze. Eine starre Regel für alle Sorten ist deshalb wenig sinnvoll.
Fazit: Lollipopping kontrolliert und schrittweise anwenden
Lollipopping kann die Lichtverteilung, die Luftzirkulation und die Übersichtlichkeit einer Cannabispflanze verbessern. Besonders sinnvoll ist die Technik bei gesunden und dicht gewachsenen Pflanzen mit vielen unteren Schattenzonen.
Entscheidend sind ein maßvolles Vorgehen und der richtige Zeitpunkt. Statt pauschal einen festen Anteil der Pflanze zu entfernen, sollte die individuelle Struktur beurteilt werden.
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